Die Gewässer vor meiner Haustür sind ein System aus langsam fliessendenden Flüssen und angeschlossenen Kanälen. Solche Gewässertypen gibt es reichlich in unserem Land.

Eutrophe Gewässer mit einer Höchsttiefe bis 4 Metern – wobei es im Durchschnitt eher maximal 1,5-2,5 Meter tief ist und spärlicher Unterwasservegetation, von Seerosenfeldern einmal abgesehen.

Ein recht guter Weißfischbestand produziert auch Raubfische in recht ansehnlichen Größen.

Barsch, Zander,Rapfen und Hecht – alles vertreten. Genau in dieser Reihenfolge ind auch meine Zielfische angeordnet.

Aber wie es immer ist – man muss wissen wie um regelmäßig erfolgreich zu sein.

Die Schonzeit für Raubfische endet in Hamburg am 16.Mai. Eine Erlösung für alle Raubfischfans.

Etliche Angler säumen die Ufer in der Hoffnung nach dem ersten Fang der Saison. Kann ich sehr gut nachvollziehen – sieht man sich jedoch meine Köder an und die der anderen, könnte man stutzig werden.

Ich fische fast das ganze Jahr in diesen Gewässern Köder, die nicht größer als 3“ sind. Letzes Jahr bin ich sogar einen Schritt weiter gegangen und habe dies auch zeitweise sehr erfolgreich an der Elbe praktiziert.

Die gängige Parole ist - „Große Köder-große Fische“. In vielen Gewässern stimmt das auch so, wenn man erfolgreich große Fische fangen will. Aber jedes Gewässer hat seine eigenen Gesetze.

Am stärksten beeinflussen aus meiner Sicht die Faktoren Nahrungsaufkommen und Gewässergröße und Angeldruck bzw. Entnahmepolitik.

Während am Rhein ein Barsch mit 50cm plus durchaus möglich ist, zählt solch ein Fisch an meinen viel kleineren Hausgewässern zur Ausnahme. Fische brauchen Platz und geeignetes Futter um so alt und groß zu werden. Und grundsätzlich gilt schon, dass nur große Gewässer auch die ganz großen Fische produzieren.

Aber in vielen kleinen Kanälen und Flüssen schwimmt so manche Überraschung in mitten vieler „Standard-Fische“.

Köderwahl

Die Hauptnahrung der Räuber besteht aus kleinen Weißfischen, Kaulbarschen und Krebschen. Die Grundel ist zwar in Hamburg angekommen, aber in vielen Kanälen noch nicht so verbreitet.

Bereits Ende Februar-Anfang März tummeln sich je nach Witterung tausende Rotaugen in den Flachwasserzonen zum Laichen.

Daher ist für mich die Größe der Köder zu Beginn der Raubfischzeit ganz klar- klein!

Meist 2-3“ große Gummiköder oder kleine Twitchbaits bringen den größten Erfolg.

Die Räuber haben sich hier in dieser Zeit – wie auch fast den Rest des Jahres auf kleinere Häppchen spezialisiert.

Gummifischchen an leichten Jigköpfen, am Drop-Shot-Rig,am Carolina-oder Texas-Rig oder zur wärmeren Jahrsezeit an leicht bebleiten Offset-Haken als Mini-Softjerk. Richtig angeboten fängt Gummi eigentlich immer.

Die Führungsstile müssen natürlich an die Witterung und des Stoffwechsel der Fische angepasst werden- sprich langsamer im kalten Wasser und gerne etwas schneller im warmen Wasser.

Bei der Farbwahl der Köder orientiere ich mich gerne an der Natur. Weißfischdekore bringen immer Fisch. Aber auch gerne bräunliche- oder grünlich gedeckte Farbtöne als Grundfischimitat (Kaulbarsch,Grundel etc.). Schockfarben habe ich meist nur 1-2 mit, die meist zum Einsatz kommen, wenn nichts zu gehen scheint (wobei man mit solch auffälligen Farben nicht immer zum Schluss warten sollte!).

In der Regel fische ich gejiggt Köder mit Aktion – am Carolina-Rig oder Drop-Shot-Rig allerdings welche ohne Aktion, wobei diese No-Action Köder natürlich trotzdem eine ansprechende Aktion aufweisen, allerdings ohne über einen Schaufelschwanz zu verfügen.
Damit habe ich beide Beutesituationen (flüchtend und sterbend) abgedeckt.

Um kleine Köder maximal beschleunigen zu können um Wurfweite zu erzielen, fische ich eine 2,10 Meter lange, schnelle Rute (fast-taper) im Medium-light Bereich (7-25g Wurfgewicht) und eine 2500er Spinnrolle und 0.10er geflochtener Schnur.

Das mag vielen Finesse-Liebhabern recht grobschlächtig erscheinen, hat aber seinen Grund.
Aufgrund der hängerträchtigen Gewässer mit vielen überhängenden Bäumen, fällt natürlich auch viel ins Wasser- und da Fische gerne geschützt stehen und unser kleiner Köder dort hin muss, will ich nicht bei jedem Wurf einen Abriss riskieren. Das ginge ins Geld und zu Lasten der Umwelt.

Als Vorfach verwende ich Fluorocarbon in dem Stärken 0,25-0.30 mm und häufig Titan um hechtsicher fischen zu können.

So habe ich die Gewissheit, dass mein Material der Umgebung standhält und auch im Drill eines kapitalen Fisches keine Schweißausbrüche bekommen muss. Für mich ein Kompromiss im Mittelfeld des Tackleuniversums.

In all den Jahren habe ich übrigends nicht das Gefühl weniger als andere zu fangen, weil die Fische ach so schlau geworden sind und Köder und Haken mit Seriennummer kennen.

Vielmehr kann ich mit kleinen Ködern die Natur perfekt nachahmen und mit ihnen die gewählten Hot-Spots unauffällig absuchen. Unauffällig nicht, weil sie eh kein Fisch wahrnimmt – sondern deshalb, weil ich Spots so viel länger befischen kann ohne alle Räuber zu verscheuchen.

Wenn ich einen Abschnitt von 10x10 Metern mit einem großen Gummilatschen abwerfen würde, währen meiner Meinung nach spätestens nach dem 10 Wurf alle Fische weg, die es sich bei dem 11. Wurf mit einem kleineren Köder eventuell noch anderes überlegt hätten.

Natürlich ist es auch ein Argument zu sagen: „Der Dickfisch hätte sich den großen Köder beim max. 3. Wurf geschnappt“. Aber jeder macht seine eigenen Erfahrungen und entwickelt eigene Vorlieben.Sogar an sogenannten Großfischgewässern wie den Bodden um Rügen u.a. gibt es immer wieder Phasen, in denen soagr nur kleine Köder die dicken Fische ans Band bringen!. Vornehmlich natürlich in der wärmeren Jahrszeit. Also nicht zu früh im Jahr anfangen die Riesenköder aus der Box zu kramen..bis die natürliche Brut dezimiert ist dauert es!

Mit der Entscheidung mich möglichst nah am natürlichen Köderaufkommen zu orientieren bin ich seit viele Jahre sehr erfolgreich.

Wenn Sie als Leser selber kleinere Kanäle und Flüsse befischen wissen sie vielleicht, wovon ich schreibe oder – wenn nicht – probieren es mal aus!?

In diesem Sinne – keine Angst vor kleinen Ködern!

Keine Angst vor kleinen Ködern!
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